NOTÍCIES


Windmühlen am Pranger
30/07/2004

Costa Blanca Nachrichten


In der Region formiert sich Widerstand gegen die Giganten
Die Windenergie hatte viele Jahre das Image einer umweltfreundlichen Energieform. Riesige Windparks bringen nun die Bevölkerung dagegen auf.
Foto: AFP

[Armin Leßner]
Fageca/Benissa

„Ich bin fast jeden Tag unterwegs. In meinem Haushalt bleibt alles liegen“, schimpft Silvia Faus. In der Tat ist ihr derzeitiges Engagement außerhalb der häuslichen Pflichten nicht einfach. Denn Silvia Faus kämpft – kämpft gegen Windmühlen. Nicht wie weiland Don Quijote gegen die eher zierlichen Exemplare der Mancha.
Silvia Faus’ Gegner sind nachgerade Ungetüme, 100 Meter hoch, 50 Stück an der Zahl. Aufgestellt werden sollen sie in ihrer Heimat, in der Provinz Alicante. Und eben dagegen formiert sich der Widerstand der Bürgerinitiative Coordinadora de estudios del Plan Eólico zona 14 (<www.zona14.org>), deren Sprecherin Faus ist. Derzeit informieren sie und ihre Mitstreiter die Bevölkerung über das herannahende Unheil. Noch kann die ihr Veto einlegen: „Mehr als 30.000 Einsprüche werden wir bis Ende des Monats gesammelt haben“, so die 35-Jährige.
In der so genannten Windzone 14 will die Landesregierung drei Windparks aus dem Boden stampfen. Der erste mit neun Windrädern soll im Tossal del Rey entstehen, zwischen den Ortschaften Benimassot und Tollos, der zweite mit insgesamt 24 zwischen Millena, Almudaina, Balones, Planes und Benimassot. Der dritte Park mit 17 Anlagen ist für das Gebiet Sierra d’Alfaro zwischen Facheca, Famorca, Tollos und Castell de Castells geplant.
Im Juli 2001 hatte die Regierung des Landes Valencia ihren Windplan verabschiedet. Und verfolgt damit ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2010 sollen zwölf Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energieträgern stammen, was den EU-Richtlinien entspräche.
Im Einzelnen sieht der Plan den Bau von 2.700 Windrädern in 15 Zonen vor. Die sollen insgesamt 5.500 GWh (Gigawattstunden) pro Jahr produzieren, was in etwa dem Verbrauch aller Haushalte der Region gleichkommt. Und das Ministerium singt denn auch das Hohelied seines Plans. Verhindert werde dadurch die Freisetzung von 3,8 Millionen Tonnen CO2 (Kohlendioxid), eines Gases, das immerhin für den Treibhauseffekt verantwortlich ist (siehe Kasten Kyoto). Und die Emission von 68.000 Tonnen SO2 (Schwefeldioxid) werde außerdem vermieden. So habe denn der Einsatz der Windräder die reinigende Wirkung von 190 Millionen Bäumen.
Argumente, die Silvia Faus kalt lassen: „Diese Windräder zerstören unsere Landschaft. Und sie machen einen Riesenkrach: 103 dB. Das ist so laut wie ein Lastwagen.“ Was das Schlimmste sei: Zu den Plänen sei niemand vor Ort gefragt worden. Die Regierung habe vielmehr „auf dem Reißbrett“ die Windzonen in der Region eingezeichnet.

Hoffen auf Amtsschimmel
Überhaupt, Silvia Faus findet wenig Gefallen an dem Vorhaben. „Ein sehr schlecht gemachtes Werk“, urteilt sie. Innerhalb von nur zehn Monaten sei er auf die Beine gestellt worden. Für die Bürgerinitiative hat die Biologin Anna Kliment das mehrere tausend Seiten umfassende Mammutwerk analysiert. Drei Tage lang war sie mit zwei Mitstreitern im Industrieministerium – nur mit Diktiergerät bewaffnet, weil das Kopieren nicht erlaubt war. Und fand, obwohl auf dem Gebiet keine ausgewiesene Fachfrau, 42 Schwachstellen. Die bilden jetzt die Grundlage der Einsprüche.
Die Gegner fanden zum Beispiel heraus, dass eine Studie über die anfallenden Erdbewegungen fehlt und dass wichtige Informationen vom Ministerium zurückgehalten wurden. Ein erster kleiner Erfolg hat sich schon eingestellt. „Das Büro im Ministerium ist bereits aufgestockt worden“, so Faus. Denn jeder Einspruch muss bearbeitet werden. Solange dies nicht erfolgt ist, kann das Verfahren nicht weitergehen. Und bleiben die Einsprüche gar „bis 2007 unbearbeitet, kann der Windpark nicht gebaut werden“, hofft Faus auf die Langsamkeit der Bürokratie.
Im Übrigen steht sie mit ihrem Engagement nicht allein da. Kürzlich schlossen sich etliche Bürgerinitiativen des Landes Valencia zum Forum für den sinnvollen Einsatz von Windenergie (Mesa para la Ubicación Racional de la Energía Eólica) zusammen. Und Bürgermeister jedweder Couleur wettern mittlerweile gegen das Werk. 27 sozialistische Stadtväter wollen nun beim valencianischen Ministerpräsidenten Francisco Camps vorsprechen.

Mangelhaft bis unsinnig
Auch auf Landesebene schießen sich die Politiker auf das Mammutwerk ein. So befindet Carles Arnal vom Linksbündnis Entesa, der prinzipiell Windenergie für sinnvoll und notwendig erachtet: „Der Plan gehört überarbeitet.“ Oftmals seien Schutzgebiete vom Typ LIC (Lugar de Interés Comunitario) oder ZEPA (Zona de Especial Protección para las Aves, Vogelschutzgebiet) von den Parks betroffen. Seine Partei erarbeitet derzeit ein Alternativprojekt und bemängelt vor allem, dass der Plan ohne Windgutachten erstellt wurde. Gar als „Unsinn“ kanzelte den Windplan der Bloc-Landesvorsitzende Enric Morena ab.
Noch heftiger fällt die Kritik des mittlerweile international bekannten Windkraftgegners Mark Duchamp aus: „Die Betreiber stoßen sich gesund an den Anlagen.“ Denn die Höhe der Subventionen übersteige nur allzu oft die der realen Kosten. Die Differenz fließe in die Tasche der Unternehmen, so der Franzose und Hobbyornithologe, der eng mit der Umweltinformationsplattform <www.iberica2000.org> zusammenarbeitet.
Und in der Tat: Windparks locken die großen Industriekonzerne an. Die Liste der Windparkbetreiber vereint die Größen der spanischen Wirtschaft. Den Löwenanteil halten die Energiegiganten Endesa und Iberdrola. Auch viele Banken haben in den Sektor investiert. Und Zone 14 betreibt zu 50 Prozent Florentino Pérez, einerseits Präsident des Fußballclubs Real Madrid, andererseits Herr über den größten Baukonzern des Landes, über ACS.

Aufwand ohne Effizienz
Und Duchamp hat weitere Kritikpunkte. Da ist zum einen die Effizienz der Anlagen: Die 2.700 Turbinen des valencianischen Windplans produzierten maximal 1.695 Megawatt (MW). Das allerdings nur bei vollem Wind, und der wehe selten. Im Schnitt würden nur 20 Prozent, also in Valencia 339 MW, generiert. Verglichen damit erziele das größte englische Kohlekraftwerk Drax zehnmal mehr Energie als die 2.700 valencianischen Windmühlen zusammen. „Diese geringe Menge rechtfertigt die Landschaftszerstörung nicht“, meint Duchamp.
Als drittes Argument contra Windenergie führt der Franzose aufgrund mangelnder Windkonstanz die großen Leistungsschwankungen an. „Der Stromkonzern Red Eléctrica muss ständig herkömmliche Kraftwerke in Reserve halten“, erklärt Duchamp. Fällt die Windenergie ab, so muss Red Eléctrica herkömmliche Kraftwerke hochfahren. Das verschlinge enorme Kosten, und ferner würden durch den nicht optimalen Betrieb höherer CO2-Anteil ausgestoßen.
Hier allerdings erntet Duchamp Widerspruch. So erklärt Red-Eléctrica-Pressesprecherin Nuria Santos, dass der Konzern nicht nur wegen der Windenergie, sondern auch aus anderen Gründen Reserven vorhalte. „Ferner ist nicht sicher, dass ein heruntergefahrenes Kraftwerk mehr CO2 produziert als bei höherer Auslastung.“
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schlägt denn auch moderatere Töne an, ist nicht grundsätzlicher Gegner der Energieform: „Man muss Windkraft im großen Kontext sehen“, erklärte der Energieexperte Emilio Rull. Zum einen sei sie ein gutes Werkzeug für die Verminderung des CO2-Ausstoßes, zum anderen eine Alternative zur Kernenergie, deren Abschaffung mit allen Mitteln erreicht werden müsse.

Gewinn auf ganzer Linie
Im Hinblick auf die Landschaftszerstörung meinte Emilio Rull, dass solche Windparks nicht in Schutzgebiete gehören. Vielmehr sei im Vorfeld eine bessere Planung und Absprache mit den Gemeinden notwendig.
Und schlug in diesem Zusammenhang so genannte Beteiligungsgesellschaften vor. Windparks gehörten nicht ausschließlich in die Hände der Konzerne. Vielmehr solle ein gewisser Anteil der Aktien auch von Gemeinden und Betroffenen erworben werden. Und die hätten dann neben dem Vorteil für ihre Umwelt auch noch den Gewinn aus den Anlagen.

--------------------------------------------------------------------------------

Daten und Fakten zur Windenergie

Rasante Entwicklung: Deutschland und Spanien sind führend in Europa

[Armin Leßner]
Benissa

Schon seit Menschengedenken wollte man die Kraft des Windes nutzen. Vor 2.500 Jahren, so belegen Aufzeichnungen, entstanden in Persien die ersten Windmühlen: zum Mahlen von Getreide und für das Pumpen von Wasser. Im 20. Jahrhundert nutzten die Menschen dann erstmals den Wind als Generatorantrieb.
Im Jahr 1978 nahm auch das spanische Industrieministerium den Wind als alternative Energiequelle wahr: In Tarifa lief der erste Prototyp einer 100-kW-Anlage – es war der Beginn eines Siegeszugs.

Im Ranking weit vorn
In den vergangenen Jahrzehnten hat der Sektor Windenergie einen großen Sprung nach vorne gemacht. Stück für Stück hat die Branche die Kapazität nach oben geschraubt: Heute verfügen die gängigen Anlagen über eine Leistung von ein bis zwei Megawatt (MW). Selbst Prototypen von fünf MW sind bereits entwickelt. Mit der Leistung allerdings wuchsen auch Ausmaße der Anlagen: 100 Meter ragen sie in den Himmel, und auf 80 Meter bringt es der Rotordurchmesser.
Deutschland spielt im Sektor Windnutzung weltweit die führende Rolle. Ende des Jahres 2003 verzeichneten alle hier aufgestellten Windräder eine Gesamtleistung von 14.600 MW. Mit großem Abstand folgen die Amerikaner auf Platz zwei. Den dritten Rang belegt Spanien mit einer Leistung von 6.200 MW, gefolgt von Dänemark mit 3.100 MW. Noch eine statistische Spielerei am Rande: Hier stehen die meisten Windräder pro Einwohner in der ganzen Welt.
Eine bemerkenswert rasante Entwicklung hat Windenergie in Spanien genommen: Noch im Jahr 1997 lag die installierte Menge bei 425 MW. Doch eine Zuwachsrate von rund 1.000 MW/Jahr führte das Land auf den zweiten Platz innerhalb Europas. Die meisten Windräder innerhalb Spaniens stehen in Galicien, Kastilien–La Mancha, Aragón und Kastilien-León. Im Land Valencia wird bisher ein Park mit vier Windrädern bei Buñol betrieben.
Laut Branchenverband APPA hat der Windkraftboom in Spanien 47.000 Arbeitsplätze geschaffen, 12.000 direkte, 35.000 indirekte. Die Kosten für ein installiertes MW Windenergie betragen zwischen 900.000 und 1.000.000 Euro. Wobei etwa 75 Prozent der Gelder in die Turbinen fließen, die restlichen Mittel für Transformatoren, Hochspannungsleitungen und Infrastruktur aufgebracht werden. Je größer der Park, desto geringere Kosten pro Windrad entfallen auf die Infrastruktur.
Erneuerbare Energien nahmen laut Nationaler Energiekommission 2003 in Spanien einen Anteil von sieben Prozent der Energieproduktion ein. Mit Abstand führend ist die Windenergie. Ursache ihres schnellen Wachstums in Spanien – wie auch in Deutschland – sind die staatlichen Fördermittel. Denn Windenergie ist in der Erzeugung derzeit eineinhalb- bis zweimal teurer als herkömmliche Energien.

Preise staatlich verordnet
Kommt hinzu, dass in Spanien und Deutschland gesetzliche Mindestpreisregelungen für den eingespeisten Windstrom sichere Planungsbedingungen schaffen.
Hierzulande wurde nun kürzlich das Einspeisungsgesetz novelliert. Es sieht geringere Abnahmepreise vor. Nach der Nueva Regulación bekommt der Windmüller in den ersten fünf Jahren pro Kilowattstunde 6,37 Cent, ab dem sechsten bis zum fünfzehnten Jahr 6,02 und danach 5,66 Cent. Der Branchenverband APPA sieht dadurch die rasante Entwicklung gestoppt. Iberdrola hingegen begrüßte die Novellierung.

 

 


zona14.org - 2005 - Eòlica sí, però no a qualsevol preu - Valls de Ceta i de Travadell - El Comtat i La Marina Alta
zona14@benillup.com